Lexikon: Sauna

 

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Eine Sauna (finn. sauna, "Schwitzstube"; finnisches Bad) ist ein beheizter Raum mit sehr hoher Temperatur oder eine Gruppe solcher Räume, entweder als freistehendes Gebäude oder als Teil eines größeren Gebäudes, worin ein genommen wird. Eine Saunaanstalt ist häufig an eine öffentliche Hallenbad|Schwimmhalle oder ein Fitnessstudio angeschlossen und kann mit anderen Vorrichtungen wie Dampfsauna oder Biosauna kombiniert sein. Eine Variante der Sauna stellt die russische Banja dar, welche im gleichen Temperaturbereich wie die Sauna betrieben wird jedoch mittels intensiver Birken-Aufgüsse und Waschungen zwischen den Gängen besonders auf Körperreinigung ausgerichtet ist.

Der Besuch einer öffentlichen Sauna dient der körperlichen Erbauung, und der Verbesserung des Wohlbefindens. Bei der traditionellen Privatsauna kommt das Element der Körperreinigung hinzu.

Ablauf eines Sauna-Besuchs

Sauna.jpg|thumb|200px|Sauna innen Der Besuch eines Saunabades beginnt mit dem Duschen und gründlichen Abtrocknen; vor dem ersten Saunagang sollte die Hautoberfläche wieder trocken sein, da sonst das Schwitzen verzögert wird.

Zumindest ein Raum innerhalb des Saunabades, die eigentliche Sauna oder Saunakabine, kann mit einem elektrischen oder Holzofen auf eine Temperatur von etwa 45 bis 120 Grad Celsius aufgeheizt werden; die typische Lufttemperatur in einer Saunakabine liegt bei etwa 90°C.

In der so genannten Aufguss-Sauna herrscht eine hohe , die meist dadurch entsteht, dass man Wasser auf Steinen, die auf dem Ofen liegen, verdampfen lässt (der so genannte Aufguss); dem Wasser werden häufig Ätherisches Öl|ätherische Öle oder - vor allem im russischen Raum - Spirituosen wie oder (erzeugt ein starkes Brotaroma) beigefügt. Der Wasserdampf wird mit einem so genannten Wacheltuch verteilt.

Größere Saunaanstalten bieten neben der Aufguss-Sauna noch eine weitere so genannte Trockensauna mit höherer Temperatur, geringerer Luftfeuchtigkeit und ohne Aufguss.

Die Saunierenden sitzen oder liegen in der Saunakabine nackt auf hölzernen Bänken, die sich (meist treppenförmig auf zwei oder drei Ebenen) in einer Höhe von ein bis eineinhalb Meter an den ebenfalls hölzernen Wänden befinden; um eine Verunreinigung der Saunakabine zu verhindern, legt man in Deutschland ein großes, langes Handtuch unter den Körper, das den auffängt - im Heimatland der Sauna Finnland werden auch oft Leinentücher, Einmalunterlagen oder sogar gar keine Unterlagen verwendet. In anderen Ländern wie den wird beim Saunagang jedoch oft Badekleidung getragen.

Der menschliche Körper reagiert auf die andauernde Hitzeeinwirkung mit einer Erhöhung der Körpertemperatur auf bis zu 39°C (künstliches Fieber), die der Körper durch starkes Schwitzen zu kompensieren versucht; bei der Schweißbildung handelt es sich um eine Schutzreaktion des Körpers zur Abkühlung, die jedoch verschiedene positive gesundheitliche Wirkungen hat (vgl. Medizinische Wirkungen). Bei der nach einem Saunaaufguss einsetzenden gesteigerten Feuchtigkeitsbildung auf der Hautoberfläche handelt es sich jedoch vor allem um kondensierte Luftfeuchtigkeit und weniger um eigenen Körperschweiß.

Auf den insgesamt zehn- bis zwanzigminütigen Aufenthalt in der Saunakabine folgt zunächst eine kurze Abkühlphase, bevorzugt an der frischen Luft, bei der die beim Schwitzen geöffneten Poren besonders gut Sauerstoff aufnehmen können; dieses Luftbad sollte vor dem Kaltduschen genommen werden.

Es folgt ein kaltes Bad oder ein Guss mit kaltem Wasser (Kaltduschen): Entweder in einer Dusche, einem Tauchbecken, einem Fluss, See oder - falls vorhanden - durch Wälzen im Schnee oder Abreiben mit gestoßenem Eis.

Anschließend sucht man zur Erholung einen Ruheraum auf; dabei kann ein individuell unterschiedlich starkes Nachschwitzen einsetzen. Der Körper beginnt nun auszukühlen und muss daher gut gewärmt werden. Medizinisch sinnvoll sind in der Ruhephase warme Fußbäder.

In der Regel wiederholt man die gesamte Prozedur mit mindestens halbstündigen Pausen zwei- bis viermal; mehr als drei Saunagänge bewirken i.d.R. keinen höheren Nutzen, können jedoch stark ermüden. In öffentlichen Saunabädern werden i.d.R. stündlich Aufgüsse durchgeführt.

Eine empfehlenswerte Einteilung des Saunabesuchs liegt bei

  • etwa 10 Minutzen Schwitzphase,
  • etwa 15 Minuten Abkühlphase und
  • etwa 30 Minuten Ruhephase.

Diese Angaben können jedoch nur als erste Orientierung dienen, jeder Saunabesucher muss seinen eigenen Rhythmus finden.

Obwohl die Luftfeuchtigkeit in einem Saunaraum hoch ist, ist eine Sauna kein Dampfbad: In letzterem ist die Temperatur niedriger, aber der Wassergehalt noch höher: In einem Dampfbad sieht man die Feuchtigkeit, in einem Saunaraum nicht. Dieser wird deshalb auch als Trockensauna oder finnische Sauna bezeichnet - im Gegensatz zum Dampfbad, das auch Dampfsauna, römisches Bad oder türkisches Bad genannt wird.

Medizinische Wirkungen

Das Saunieren soll vor allem der Abhärtung gegen Erkältungskrankheiten dienen und kann auch bei einigen Erkrankungen als therapeutische Anwendung genutzt werden, beispielsweise bei Störungen des vegetativen Nervensystems.

Die Erhöhung der Körpertemperatur während der Schwitzphase (künstliches Fieber) bewirkt innerhalb des Körpers dasselbe, was auch ein echtes Fieber bewirkt: eine Zerstörung von Krankheitserregern durch erhöhte Temperatur.

Die Abfolge von Hitze mit dem anschließenden Kaltbad entspannt die und hat – neben einigen physiologischen Effekten wie der Senkung des s, Anregung des s, des s und der – vor allem auch eine wohltuende Auswirkung auf das subjektive Wohlbefinden.

Saunabaden dient auch der Hautpflege und verlangsamt die Hautalterung; unmittelbar nach dem Betreten des Saunaraumes reagiert die Haut, die Blutgefäße weiten sich, die Durchblutung nimmt zu und die Oberflächentemperatur steigt nach etwa 15-minütigem Aufenthalt auf 40-42°C an; in der Abkühlphase verengen sich die Blutgefäße dann wieder durch Kaltwasseranwendungen (Gefäßtraining).

Das Schwitzen sowie die wiederholten Wasseranwendungen bewirken außerdem eine sehr gründliche, aber schonende Körperreinigung; die oberste Hornschicht der Haut quillt auf, verhornte Hautzellen lockern sich und können leicht abgespült werden. Bei sehr trockener Haut wird die Struktur durch Aktivierung der Schweißdrüsen und Wassereinlagerungen in die Hornschicht verbessert.

Eine manchmal erwünschte, manchmal unerwünschte Nebenwirkung von Saunabesuchen kann die temporäre Unfruchtbarkeit beim Mann sein, da die durch die Hitze untauglich werden. Da aber sofort wieder neue Spermien gebildet werden können, hält dieser Effekt nicht lange an.

Sauna in Finnland

Bild: Benches_and_ladles_in_a_Finnish_sauna.jpg Die Sauna ist ein elementarer Bestandteil der Finnland|finnischen Kultur. Die in fast jedem Haus (auch Miets- und Ferienhäusern) vorhandene Privatsauna dient der Entspannung und Körperreinigung. In der traditionellen Form ersetzt die Sauna das Badezimmer, d.h die komplette Körperreinigung findet dort statt, in modernen Wohnhäusern werden teilweise Badezimmer und Sauna zusammengelegt. In früherer Zeit war die Sauna der einzige Raum, in dem es heißes Wasser gab, weshalb es durchaus wahr ist, dass dort auch die Kinder geboren wurden - natürlich war die Sauna selbst dabei nicht heiß. Babys werden schon frühzeitig mit in die Sauna genommen, was, in Maßen, medizinisch unbedenklich ist. Wer sein Ferienhaus traditionell bauen will, fängt auch heute noch mit der Sauna an. Und zum richtigen Ferienhausgefühl gehört eine echte holzbeheizte Sauna.

Kein Finne wird übrigens verstehen, warum man einen Saunagang ohne Aufguss machen sollte. Im Gegenteil - zwei pro Saunagang sind das Minimum. Zudem gibt es keine festen Zeitdauern für die Länge eines Saunaganges oder der Pausen. Es reicht vom schnellen fünfminütigen Saunagang zwischendurch bis zum regelrechten stundenlangen Saunamarathon. Zudem sind die Saunagänge und die Pausen abhängig von der Temperatur in der Sauna und Temperatur ausserhalb der Sauna. Prinzipiell unbekannt ist in der finnischen Sauna ein Bademeister. In der privaten Sauna sowieso nicht, aber in öffentlichen Saunen höchstens zum An- und Ausschalten oder zum Brennholz nachlegen. Denn das richtige Maß für einen Aufguss (finn. löyly) kennt nur ein Saunierender. Auf keinen Fall gibt es dafür einen Zeitplan. Den Aufguss macht in der Regel derjenige, der es beim Betreten der Sauna schafft, sich neben den Aufgusseimer zu setzen. In der Öffentlichkeit und bei größeren Familien praktizieren die Finnen Geschlechtertrennung. Bei größeren Familienfesten kann es durchaus vorkommen, daß zwischendurch einmal oder auch mehrmals täglich gesaunt wird.

Das Zugeben von Duftölen zum Aufgusswasser ist nicht sehr verbreitet und gehört nicht in die finnische Sauna. Verbreiteter ist eher das Mitnehmen von Birkenzweigen und Bier in die Sauna. Das Beklopfen der Haut mit Birkenzweigen hat massageähnlichen Anregenden Effekt, zudem wird dadurch ein angenehmer Birkenduft verbreitet.

Saunakultur

In den skandinavischen Ländern hat die Sauna eine enorme Bedeutung bei der Pflege sozialer Kontakte; unter Geschäftsleuten ist es üblich, sich in der Sauna zu treffen und dort geschäftliche Entscheidungen zu fällen. Über Gesamt-Skandinavien betrachtet, nimmt diese Bedeutung der Sauna jedoch nach Südwesten hin stark ab und hat insbesondere im südlichen Norwegen keinen höheren Stellenwert mehr als beispielsweise in Deutschland.

Große Bedeutung spielt die russische Abwandlung der Sauna, die Banja, in Russland. Auch dort ist es bei Geschäftsleuten und Politikern beliebt, sich hier zu beraten und Entscheidungen zu treffen. So trifft man außerhalb Russlands auch häufig Russen in den öffentlichen Saunaanlagen an, wo sie untereinander Kontakte in der pflegen. Dabei gilt, dass auch die Russen im Allgemeinen, von solchen "geschäftlichen" oder "freundschaftlichen" Saunabesuchen abgesehen, das getrennte Saunieren bevorzugen.

In die Banja nimmt man Büschel von Birken (Pflanze)|Birkenzweigen (Wenik) mit, mit denen der gesamte Körper "abgeschlagen" wird, um die Blutzirkulation anzuregen. Diese Zweige sind (im Gegensatz zu Birkenruten) nicht entblättert und erzeugen somit keinen Schmerz. Im Sommer werden oft frische Zweige verwendet; im Winter nimmt man dagegen Birkenzweige, die im Sommer getrocknet und vor dem Gebrauch wieder mit heißem Wasser eingeweicht wurden. Dieses Birkenwasser ist gleichzeitig ein hervorragender Aufguss.

Da eine Sauna in Europa (nicht aber bei gemischten Saunen in den USA oder Asien) grundsätzlich unbekleidet, ohne Altersbeschränkung und nach dem Saunagang mit vielfältigen Bewegungen unter der Dusche benutzt wird, können erotische Aspekte in der gemischten Sauna für manche Besucher durchaus eine Rolle spielen. Deswegen sind manche Saunen, um es allen recht zu machen, dreigeteilt und bestehen aus einer gemischten und zwei getrennten Saunen.

Es gibt auch – vor allem in größeren Städten – spezielle Saunaangebote (Saunaclubs), wo sich homosexualität|homosexuelle Männer auf freiwilliger Basis treffen und Sex miteinander haben können, sowie sogenannte s und Pärchen-Clubs, in der heterosexuelle Paare sich zur sexuellen Kontaktanbahnung treffen. Hiervon zu unterscheiden sind Saunaclubs, in denen heterosexuelle Männer sexuellen Kontakt mit den dort tätigen Prostituierten suchen.

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